Vom kleinen Büssli zu den grossen Bussen

Einst arbeitete Alma Haanstra als Filialleiterin im Schlössli Wörth und verkaufte Souvenirs. Durch ihre Erfahrung mit den Touristen war sie prädestiniert als Begleitperson für das selbstfahrende Shuttle der Linie 12. Durch diese Tätigkeit hat sich für sie das Tor zur Mobilität geöffnet. Heute noch arbeitet sie bei den Verkehrsbetrieben Schaffhausen. Allerdings nicht mehr als Begleitperson, sondern als Buschauffeuse.

«Neue Technologien haben mich schon immer fasziniert. Sich in ein Auto zu setzen, einen Ort eingeben und bis zur Ankunft relaxen oder sogar schlafen. Tolle Vorstellung oder?», sagt Alma Haanstra lächelnd während ihrer Pause am Bahnhof. Darum habe sie auch keine Sekunde gezögert und sich als Begleitperson für das selbstfahrende Fahrzeug des Swiss Transit Labs in Neuhausen am Rheinfall beworben. Zwei Wochen später übte sie bereits, die Handhabung eines solchen Fahrzeugs. «Das Projekt hat mich von Anfang an überzeugt. Es machte mir viel Spass, Herausforderungen mit dieser neuen Technologie zu meistern und meine Ideen einzubringen.» Man sieht Alma Haanstra beim Erzählen an, dass ihr Herz für das selbstfahrende Büssli schlägt. Lachend sagt sie: «Erstaunlich viele Leute sind in das Fahrzeug eingestiegen und haben bis zum Industrieplatz nicht gemerkt, dass das Steuerrad, eine Bremse oder das Gaspedal fehlt und dass kein Chauffeur oder keine Chauffeuse an Bord ist.»

Für die ÖV-Welt habe sie sich schon immer interessiert. Eines Tages kam der Teamleiter der Begleitpersonen auf Alma Haanstra zu und schlug ihr vor, Buschauffeuse bei den Verkehrsbetrieben Schaffhausen zu werden. Alma Haanstra schlief eine Nacht darüber und machte eine Probefahrt. «Es hat sich richtig angefühlt.» So entschied sich Alma Haanstra, ihre Karriere als Buschauffeuse zu starten. Anfangs August nahm sie die ersten Fahrstunden, meisterte schnell alle Prüfungen und seit dem 1. November ist sie auf dem Netz der Verkehrsbetriebe Schaffhausen unterwegs. «Die Berufe Begleitperson und Buschauffeuse können nicht verglichen werden. Die einzige Übereinstimmung: Ich bringe nach wie vor die Passagiere von A nach B.» Die Verantwortung sei viel grösser. Plötzlich steuert sie einen voll besetzten Bus und fährt nicht nur maximal 11 Personen herum. «Früher habe ich selber geschimpft, wenn ein Bus zu spät kam. Jetzt weiss ich es besser. Viele Faktoren haben einen Einfluss auf den Fahrplan. Ein hohes Verkehrsaufkommen, viele Fahrgäste und Hindernisse, wie ein Lastwagen, der im Weg steht, kommen meistens unerwartet.»

Der neue Job als Chauffeuse gefalle ihr super. «Manchmal fehlt mir etwas der intensivere Kundenkontakt. Die Passagiere im selbstfahrenden Fahrzeug sind immer sehr neugierig und gespannt, was das kleine Ding alles kann. Für die Technik am grossen Bus interessiert sich kein Fahrgast.» Eine der ersten Begleitpersonen überhaupt zu sein, habe ihr grossen Spass bereitet. «Die Linie 12 habe ich in mein Herz geschlossen, und immer, wenn ich mit dem Bus Nummer 6 in Neuhausen am Rheinfall am selbstfahrenden Fahrzeug vorbeifahre, denke ich an diese schöne Zeit zurück.» Der Schritt als Chauffeuse zu arbeiten, kam für sie genau zum richtigen Zeitpunkt. «Die VBSH sind ein super Arbeitgeber, welcher vorausdenkt und Visionen in die Tat umsetzt.» Dass ihr Job als Buschauffeuse wegen selbstfahrenden Fahrzeugen einmal verschwindet, davor hat sie keine Angst. «Klar wird sich der ÖV in Zukunft stark verändern – genauso wie viel anderes auch – aber Arbeit wird es immer geben, nur anders ausgeführt», sagt sie, öffnet die Türen des Busses, nimmt auf dem Fahrersitz Platz und fährt mit der Linie 6 Richtung Neuhausen am Rheinfall.

Partner des Swiss Transit Labs